Das Eszett – ein deutscher Buchstabe mit Tücken

von Tobias Nikolajewski

Gerollte Buchseiten

Bildnachweis: Sunshinetilli, Die gerollten Buchblätter. Some rights reserved. Quelle: www.piqs.de

Eigentlich ist das Eszett (ß) der Star unter den Buchstaben, denn es kommt ausschließlich im deutschen Alphabet vor und kann somit als echtes Alleinstellungsmerkmal unseres Abc bezeichnet werden. Doch wie bei allen Ausnahmen von der Regel ist die richtige Verwendung nicht immer einfach. Die letzte deutsche Rechtschreibreform hat daher erfreulicherweise klare Regeln für den Einsatz des Eszett aufgestellt und erheblich zur fehlerfreien Verwendung dieses besonderen Buchstabens beigetragen.

Geschichte

Das Schriftzeichen ß erscheint zum ersten Mal am Ende des 13. Jahrhunderts und dient zur Wiedergabe verschiedener s-Laute. Manche Forscher vermuten, dass das ß auf eine lateinische Kurzform von „sed“ zurückzuführen ist (sowie das Zeichen & als Kurzform des lateinischen „et“ gilt), doch dies ist umstritten.

Verwendung

Gemäß der Rechtschreibreform von 1996 kann man sich als Faustregel merken, dass das Eszett für den stimmlosen s-Laut (scharfes S) immer nach langen Vokalen und Doppelvokalen (Diphthongen wie ei, au, äu, eu, ai und ui) verwendet wird. Zum Beispiel:

nach langem Vokal: Straße, Buße, Soße, Fuß
nach Diphthong: Blöße, außen, heißen

Einzige Ausnahme: Ist der s-Laut bei einer Auslautverhärtung in einer verwandten Wortform stimmhaft, wird bei scharfem S kein ß geschrieben: z. B. Gras (Gräser) oder löslich (lösen).

Vor der oben erwähnten Rechtschreibreform war die Verwendung des Eszett uneinheitlich geregelt. So schrieb man beispielsweise „daß“ statt heute „dass“, „Nuß“ statt heute „Nuss“ oder „bißchen“ statt heute „bisschen“. Eine erhebliche orthografische Fehlerquelle wurde somit durch eine sehr einfach anwendbare Regel eliminiert.

So mancher, der es nicht so mit Regeln hat, möchte es sich aber einfach machen und ersetzt das ß immer durch ss. Oft kann man das bei dem Wort „Straße“ beobachten, das häufig falsch „Strasse“ geschrieben wird (sogar auf Straßenschildern). Ein Erklärungsversuch für diese falsche Schreibweise: Man möchte, zum Beispiel bei der Adresse auf dem Briefpapier, nur international gebräuchliche Buchstaben verwenden. Aber mal ehrlich: Würden die Franzosen auf ihre Akzente verzichten, weil Sie international nicht gebräuchlich sind?

Sonderweg Schweiz und Liechtenstein

In diesen Ländern wird das Eszett nicht verwendet, und man schreibt stattdessen immer ss. So heißt es gemäß Schweizer Rechtschreibung völlig korrekt: „Mit freundlichen Grüssen“ und auch die oben bereits erwähnte „Straße“ schreibt man hier richtig als „Strasse“.

Problemfall Großschreibung

Schwierig wird es, wenn das Eszett z. B. in Überschriften oder Buchtiteln, die durchgängig groß geschrieben werden sollen, verwenden möchte, denn es existiert eigentlich* kein Großbuchstabe zum Eszett. Das liegt vor allem vermutlich daran, dass das Eszett niemals am Wortanfang auftaucht. Daher ersetzt man hier regelkonform ß durch SS: WENN DER WEISSE FLIEDER WIEDER BLÜHT.

Eine Mischschreibweise wie WEIß wird als typografisch inkonsequent und unschön angesehen.

Ausnahme: Bei Eigennamen (Frau Voß, Herr Schließer) sollte man bei Dokumenten und beim Ausfüllen von Formularen auch bei geforderter Großschreibung das Eszett verwenden um Missverständnisse auszuschließen und entsprechend FRAU VOß und HERR SCHLIEßER schreiben.

*Versuche, einen Großbuchstaben für das Eszett zu etablieren (z. B. durch die Internationale Organisation für Normung [ISO] im Jahr 2008 oder in einer Dudenausgabe der DDR in den 50er-Jahren) gab es immer wieder. Im alltäglichen Gebrauch, aber vor allem auch in der Typografie konnte sich ein großgeschriebenes Eszett jedoch nicht durchsetzen.

Weiterführende Links

Heise: Großes ß ist nun internationale Norm (2008)
www.heise.de/newsticker/meldung/Grosses-ss-ist-nun-internationale-Norm-216245.html

Spiegel Online: Zwiebelfisch-Abc: Die vier goldenen Regeln zum richtigen Gebrauch von ss und ß
www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-abc-die-vier-goldenen-regeln-zum-richtigen-gebrauch-von-ss-und-ss-a-295122.html

 

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